Wirtschaft und Soziales:

Finanz- und Bankenwesen

"Erwerbsarbeit" und "Eigenarbeit" unter dem Gesichtspunkt der Arbeitslosigkeit, insbesondere der Jugendarbeitslosigkeit:

Die bundesdeutsche Wirtschaft boomt wie nie zuvor. Doch trotz Innovation und Investition, den bisher klassischen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) kommt es nicht mehr wie in früheren Jahren zur Schaffungen neuer Arbeitsplätze.

Im Gegenteil ist ein immer mehr sich beschleunigender Arbeitsplatzabbau durch verstärkte Automatisation zu beobachten.

Die Arbeitslosigkeit ist um die 11% im Westen und 16% im Osten auf einem Rekordstand, die Durchführung weiterer Automatisation, vor allem im

Dienstleistungsgewerbe, wird nach Expertenschätzungen erneut zwischen 6 und 7 Millionen Mitbürgern in der Bundesrepublik Deutschland den Job kosten.

Weitere die Arbeitslosigkeit fördernde Faktoren sind die zunehmende Globalisierung und Konzentration der Wirtschaft, ob es sich nun um die Fusion von Automobilfirmen, von Banken oder von sonstigen Konzernen handelt. Die „Multis“ (multinationale Konzerne) sind längst zu „Global- Players“ geworden deren Finanzen, Macht und Einfluss vielfach die der Nationalstaaten übersteigt. Auch konservative Kreise sprechen bereits von einer neuen Form des „Turbokapitalismus“.

Die zunehmende Übernahme von Arbeit durch Automaten sowie die Entlastung und Freisetzung kreativen menschlichen Potentials sind an und für sich ja durchaus positive Werte. Realistischer Weise müssen wir jedoch davon ausgehen, dass die frühere Vollbeschäftigung der 60´er und 70´er Jahre, nie mehr zu erreichen ist. Auch die deutsche Wirtschaft ist sowohl europäisch als auch weltweit flexibel geworden, und kann jederzeit Arbeitsplätze ins Ausland verlagern.

Diese neue wirtschaftliche Situation ist natürlich geeignet, einen Staat bis in seine sozialen und demokratischen Grundfeste zu erschüttern. Bereits heute kostet die Arbeitslosigkeit dem Steuerzahler rund 166 Milliarden DM jährlich. Es müssen daher dringlichst ganz neue Wege zusätzlicher Arbeitsbeschaffung eingeschlagen werden, etwa in Form der „Eigenarbeit“ und der „Bürgerarbeit“ und das um so mehr, als gerade die Jungendarbeitslosigkeit ein Armutszeugnis unserer Gesellschaft par excellence sowie sozialer Sprengstoff erster Güte darstellt. Wenn eine Gesellschaft, aus welchen Gründen auch immer, nur Arbeitsplätze abbaut, und gleichzeitig nicht ausreichend alternative Ausbildungs- und Lehrstellen zur Verfügung stellt, dann attestiert sie dem noch auszubildenden Jugendlichen mit Brief und Siegel, dass er innerhalb dieser Gesellschaft keinen positiven, produktiven Platz einnehmen kann, dass er sozial gesehen - unnütz ist und nur eine Belastung der Gesellschaft darstellt. Dass er daher bestenfalls geduldet ist und man ihm ausschließlich ein Lebensminimum in Form der Sozialhilfe in Aussicht stellen kann.

Für junge Menschen sind das natürlich hochgradig destruktive, aggressionsfördernde Perspektiven. Wir glauben daher, dass es höchste Zeit ist, ganz neue Wege der Arbeitsplatzbeschaffung einzuschlagen. Unter dem Motto der - auch die Gemeinschaftskasse entlastenden - Selbsthilfe im beruflichen und wirtschaftlichen Bereich schwebt uns daher die energische Reaktivierung traditioneller Handwerksberufe vor, in welcher die Jugendlichen sich z.B. zum biologischen Bäcker, zum alternativen Schreiner, zum Schlosser und Kunstschlosser, zum Schneider und vielen anderen handwerklich orientierten Berufen ausbilden lassen kann, traditionelle Berufe, in denen das Individuelle, Kunsthandwerkliche mit den ökologischen Bedürfnissen der Menschen zusammenfließt. Denn der Bürger ist der Ausschließlichkeit des entindividualisierten Massenkonsums zunehmend überdrüssig, und sucht und sehnt sich wieder nach individuellen Gebrauchsgegenständen, die ihn persönlicher durchs Leben begleiten als die herkömmliche, zumeist chemieverseuchte 0815-Ware: Sei das nun ein individuell angefertigtes und angepasstes Möbelstück vom Öko-Schreiner; ein kunstvoll geschmiedetes Tor beim Kunstschlosser, das individuell gerahmte Bild; das auf die eigenen Maße zugeschnittene Kleidungsstück, die man nicht erst 3 mal waschen muss, um sich keine Vergiftung oder Allergie einzufangen; oder sei es das nach baubiologischen Gesichtspunkten gebaute Eigenheim. Um nur einige wenige Beispiele aus einem ökologisch umorientierten Alltag aufzulisten. Welche Fülle von neuen, individuellen zusätzlichen Berufen wäre da erforderlich!

Ferner wäre zudem der soziale Sektor und Dienstleistungsbereich in der Lage, neue Arbeitsplätze zu schaffen und Arbeitskräfte zu binden. Gerade in unserer Zeit der zunehmenden Entwurzelung der Jugendlichen bräuchten wir eine Fülle von Spezialisten in Form von Sozialarbeitern, Pädagogen, Jugendarbeitern „Streetworkern“, Bewährungshelfern häuslichen Krankenpflegern, Kindergärtnern etc. etc.

Im Bereich der Medizin (wie folgt) besteht das Konzept des ganzheitlichen Gesundheits- und Lebensberaters, der in einer Zeit exzessiv zunehmender Erkrankungsrate kostengünstig sowohl naturheilkundliche als auch psychomentale Selbsthilfetechniken anzubieten in der Lage wäre, wobei davon ausgegangen werden kann, dass letztlich jeder der 200.000 niedergelassenen Ärzte zwei derartige Gesundheitsberater freiberuflich oder festangestellt beschäftigen könnte. Weiterhin jedoch auch „Geobiologen“ und Messtechniker, deren Aufgabe es wäre, von elektrischer und chemischer Seite bei der Aufklärung des „Sick building Syndroms“, des pathologischen Wohnmilieus, Hilfestellung zu leisten.

Hochinteressante Ansätze für eine zusätzliche Alternative ökologischer Ökonomie, die in Form der Eigen- und der Bürgerarbeit neben der bisherigen herkömmlichen Erwerbsarbeit gleichsam in Form einer Mischkultur existieren könnte, bieten die sogenannten „Tauschnetze“ und Selbsthilferinge. In diesen Selbsthilfezirkeln und Häusern werden bargeldlos (weil Geld eben zumeist nicht vorhanden) Dienstleistungen im Tausch gegen andere Dienstleistungen, aber auch gegen handwerkliche Produkte angeboten. Zusätzliche Möglichkeiten ergäben sich, wenn etwa biologische Landwirte ihre landwirtschaftlichen Produkte ebenfalls im Austausch gegen handwerkliche Leistungen oder Dienstleistungen zu Verfügung stellten und, auf diese Weise, die Grundernährung der Tauschringteilnehmer gewährleistet. Modellhaft könnten auch die alten israelischen Kibbuze und ländlichen Wohngemeinschaften sein, die zu arbeitsteiligen Gemeinschaften zusammenwuchsen und sich durch ein hohes Ausmaß an Solidarität, Produktivität und Kreativität auszeichneten, die auch der anderweitigen Erwerbstätigkeit zugute kommen. Praktisch könnte das so aussehen, dass ein biologischer Landwirt sich bereit findet, mehrere Familien auf dem Areal seines Gehöfts zu beherbergen, und diese Lebensgemeinschaften landwirtschaftliche und handwerkliche Produkte sowie Dienstleistungen austauschen.

Aus diesen alternativen Lebensgemeinschaften könnten sich mittelständische Handwerksbetriebe, neue patentträchtige Erfindungen, aber auch eine vitale biologische Landwirtschaft entwickeln, die gerade in Zeiten der Flurstillegung einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung von importunabhängiger Grundnahrungsmittelproduktion für die Bevölkerung liefern könnte.

Entscheidend wichtig erscheint uns dabei die staatliche Förderung von Selbsthilfezirkeln und Handwerksbetrieben sowie der Akzeptanz des bargeldlosen Austausches von Dienstleistungen, handwerklichen und landwirtschaftlichen Produkten. Erst beim Florieren derartiger alternativer Lebensgemeinschaften könnte dann die Frage der steuerlichen Mitbeteiligung neudiskutiert und festgelegt werden. Wobei ja auch die Steuern für derartige alternative Lebensgemeinschaften ebenfalls in Form von bargeldlosen Dienstleistungen vonstatten gehen könnte.
 


Finanz- und Bankenwesen:

Die derzeitige Situation: das Dach über dem Kopf und der eigenen Wohnraum stellen eine elementare Lebensnotwendigkeit dar, die keiner weiteren Diskussion. Der Umstand, dass die Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger den Grund- und Immobilienbesitz „nicht in die Wiege gelegt“ bekam, sollte nicht zu Ihrer lebenslangen Benachteiligung führen.

Das ist jedoch der Fall. Der Erwerb eines Eigenheimes über Kreditaufnahme läuft letztlich dergestalt, dass der Kreditaufnehmer trotz hinterlegter Sicherheiten im Lauf einer Tilgungszeit von 2-3 Jahrzehnten den doppelten bis dreifachen ursprünglich aufgenommenen Betrag an die Bank zurückzuzahlen hat.

Der Aufwand an Lebensarbeit für den Wohnraum ist also für den besitzlos geborenen Bürger doppelt bis dreifach so hoch (und im ungünstigen Fall noch höher) als für das Gesellschaftsmitglied, das in den Genuß einer diesbezüglichen Erbschaft kam.

Wenn wir bedenken, dass Banken Mitarbeiter bei der Kreditvergabe weder ein persönliches Opfer noch ein persönliches Risiko eingehen, da die Geldanleihe durch gleichzeitige Sicherheiten, zumindest der des beliehenen Objektes flankiert wird, ist diese ausschließliche Praxis des Geldverkehrs und der Kreditvergabe mehr als fragwürdig und führt letztlich zu einer modernen Form der „Leibeigenschaft“ des Kreditnehmers gegenüber dem Kreditgeber.

Zudem: Banken sind, von der Öffentlichkeit zumeist unbemerkt, vielfach Teilhaber in Konzernen und Firmen und gestalten auf diese Weise die Wirtschafts- und Firmenpolitik aktiv mit. Da Banken aber ausschließlich an der Profitoptimierung interessiert sind, spielen ökologische Gesichtspunkte des Naturschutzes oder soziale Aspekte so gut wie keine Rolle in der Entscheidungsfindung. Dass dieser Umstand dem sozialen Frieden, der Volksgesundheit und der Ökologie mehr als abträglich ist, bedarf keiner weiteren Erörterung.

Besitz und Geld sollten jedoch auch eine ethische Verpflichtung beinhalten: gleichsam die Pflicht des Starken, unter dem Aspekt der „Brüderlichkeit“ den Schwachen zu schützen. In der Realität ist dies jedoch nur seltenst gegeben. Im Gegenteil: der Starke beutet den Schwachen aus.

Derartige Verzerrungen des Eigentums können letztlich nur von Nachteil für die Allgemeinheit sein. Das zeigt vielfältig die Geschichte, etwa auch die des römischen Reiches, in der eine kleine, reiche, nimmersatte Adelskaste und ein allmächtiger Kaiser die Völker des Reiches zunehmend ausplünderten zur Gewinnung von Sklaven, Bodenschätzen und Grundbesitz. Der Kahlschlag der Wälder der Mittelmeer-Anrainer-Länder mit Erosion, Verkarstung, Versteppung und Ausbreitung der Wüsten (siehe Nordafrika) und nachhaltige Klimaverschiebung sind noch heute bestehende unwiederbringliche Folgeschäden.

Bezüglich der Kontrolle des Bank- und Finanzwesens fordern wir:
Vermehrte Wettbewerbsaufsicht,
eine Stärkung der Kartell- und der Fusionskontrolle;
ein Verbot der zunehmenden Bankenkonzentration sowie
eine Entflechtung der Banken von Nicht-Banken-Unternehmen.
Durch das Depotstimmrecht und zahlreiche Kapitalbeteiligungen haben die großen Banken und Versicherungen einen unheilsamen Einfluss auf viele Unternehmen gewonnen. Deshalb ist eine Abschaffung des Depotrechts zu fordern, ferner eine Beschränkung für Banken und Versicherungen an gehaltenen Anteilen an anderen Unternehmen. Deshalb sollte eine Pflicht zur Offenlegung aller Beteiligungen sowie die Reduzierung der Aufsichtsmandate pro Person gesetzlich verankert werden.

Die Beteiligung der Banken in der privaten Wirtschaft und in Unternehmen muss aufgedeckt werden. Firmenpolitische Entscheidungen der Banken sind der Öffentlichkeit zuzuführen. Leben Banken doch vielfach von einem „moralischen Ruf“, den sie nur der Werbung, niemals aber der Ethik ihres Handelns verdanken.