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Vorspann:
Deutschland ist ein alter Kulturraum mit einer leidvollen Geschichte. Der 1. Weltkrieg, der Zerfall des deutschen Kaiserreiches, die Wirren der Weimarer Republik, aus denen die nationalsozialistische Diktatur und der 2. Weltkrieg hervorgingen, stellen nicht nur ein katastrophales nationales und europäisch-kontinentales, sondern zugleich ein unendlich leidvolles globales Schicksal dar. Mehr als 15 Millionen Menschen starben im ersten Weltkrieg, 50 Millionen Menschen starben im zweiten Weltkrieg - und in beiden Fällen war Deutschland zutiefst verstrickt.
Die deutsche Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts, in der unser Land gleichzeitig die Rolle eines schrecklichen Täters und eines bedauernswerten Opfers inne hatte, ist deshalb von globalem exemplarischen Interesse.
Wir halten daher das deutsche Grundgesetz, wie es sich nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands und einem Krieg, der entsetzliche Opfer unter der europäischen und deutschen Zivilbevölkerung und einen grauenhaften Blutzoll unter alliierten, sowjetischen und deutschen Soldaten forderte, für eine aus bitterstem Leid hervorgegangene kulturelle Blüte der Menschheit, und als eine menschenrechtliche Errungenschaft, die es mit allen uns zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen Mitteln zu verteidigen gilt. Deutschland bildet nicht nur geographisch die Mitte Westeuropas. Es ist ein Schicksalsland der Menschheit als solches. Deutsche Politik hat deswegen nicht nur nationalem und regionalem Interesse Genüge zu tun: Unser Land ist einer der Blick- und Brennpunkte, auf welche die gesamte Menschheit schaut, ob wir das nun begrüßen mögen oder nicht. Mit deutscher Politik tragen wir auch Verantwortung für unsre ganze Erde. Die Verwirklichung des Grundgesetzes, in welchem neben dem oben beschriebenen leidgeprüften deutschen Kulturwissen auch die Erfahrung der mit uns jetzt befreundeten demokratischen Länder wie England, Frankreich, der Vereinigten Staaten sowie der skandinavischen Völker einfloss, gilt es demnach als ein Menschheitserbe des Rechts zu pflegen und vor den dauernden Einschnitten und Einschränkungen durch die politische Führung zu bewahren. Dieses Menschheitserbe gilt es vor allem aber auch in unserem Land zu verwirklichen, und als Vorschlag und als Vorlage einer neu zu schaffenden EUROPÄISCHEN VERFASSUNG in den Raum zu stellen.
Möge demnach - gegenteilig zum Ausgang von zwei Weltkriegen - jetzt von unserem Lande eine friedliche, menschenrechts-fördernde Bewegung ausgehen: die Proklamation einer europäischen Verfassung, welche, angelehnt an das deutsche Grundgesetz, exemplarisch die Menschenrechte und die Demokratie auf unserem Kontinent Europa sowie weltweit als Leitbild auf eine neue Stufe des Bewusstseins und der Humanität emporzuheben vermöchte.
Für dieses Ansinnen sind wir auf die Hilfe jedes einzelnen in unserem Lande und auf unsere Freunde und Nachbarn in Europa, weiterhin aber auch auf die Gunst des Schicksals und auf göttliche Hilfe angewiesen.
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